Stefan - Der pure Zufall, Februar 2005
Infektion. Im Jahre 1994, damals 29 Jahre alt, wurden im Rahmen einer Routineuntersuchung erhöhte Transaminasen festgestellt, die mein damaliger Hausarzt in freundlicher Unkenntnis zunächst mit zu hohem Alkoholkonsum erklärte, nach Ausschluss Hepatitis A und B jedoch zu meiner Überraschung blind und verantwortungslos mit Cortison (!!!) therapieren wollte. Als ich ihm mein Unverständnis signalisierte und mehrfach seine Alkoholikertheorie verneinte, der gute Mann kannte mich seit meinen Kleinkindertagen, trennte ich mich im Unfrieden von ihm.
Eine wirklich gute Entscheidung!
Der nächste Anlaufpunkt war die Lebersprechstunde der Uniklinik Mainz. Hier wurde innerhalb kürzester Zeit eine Hepatitis C diagnostiziert und über eine Leberbiopsie der Zustand der Leber festgestellt. Eine entsprechende Recherche bezüglich Infektionszeitpunkt wurde ebenfalls eingeleitet.
Ergebnis:
Die Übertragung des Virus fand wahrscheinlich im Jahre 1967 statt, als im Rahmen einer schweren Darm-OP Fremdblut gegeben wurde, welches damals aus bekannten Gründen noch nicht auf Hep C getestet wurde. Die Transaminasen waren mäßiggradig erhöht, das Gesamtbild der Leber nach Biopsie und Ultraschall sprach für eine schwach aktive Hep C.
Eine Therapie wurde angesprochen, von meiner Seite mit Hinweis auf die geringen Erfolgsaussichten jedoch abgelehnt. Es erfolgte eine medikamentöse Einstellung mit Cholofalk, da auch eine PBC (Primärbilliäre Zirrhose) vorgelegen haben soll.
Unter dieser Medikation, bei mir völlig nebenwirkungsfrei, verbesserten sich meine Leberwerte rasch bis fast zurück in den Normbereich. Eine weitere Biopsie im Jahre 1998 ergab keine signifikanten Änderungen.
So gingen die Jahre dahin, mein Leben verlief gesundheitlich völlig problemlos, keinerlei Anzeichen für eine Lebererkrankung. Meine körperliche Belastbarkeit war sehr hoch (2-3 mal pro Woche intensiven Sport), geringes Schlafbedürfnis (5-6 h pro Nacht), ebenso im Job hohe Konzentrationsfähigkeit. Mein Arzt meint, wer so lange den Virus trägt hat sich einfach daran gewöhnt. Stimmt, eigentlich kenne ich es nicht anders.
Im Oktober 2004 entschloss ich mich mal wieder zu einer Biopsie und siehe da, die gestiegenen Leberwerte passten zu dem Ergebnis einer weiterhin fortschreitenden Leberentzündung mit beginnender Fibrose.
Von jetzt auf gleich hatte das Verdrängen der letzten Jahre ein Ende und es begann ein ernsthaftes Nachdenken bezüglich einer Therapie. Zunächst noch mal Genotyp-Bestimmung mit dem Ergebnis Typ 2, also 24 Wochen Therapiedauer und gute Erfolgsaussichten, desweiteren Gespräche mit zwei Hepatits-C erfahrenen Ärzten unter Einbindung meiner Lebensgefährtin, Info-Besuche auf dieser hervorragenden Website und immer wieder abwägen abwägen abwägen..
Meine Ausgangsposition:
39 Jahre alt, guter körperlicher Zustand, hohe Belastbarkeit, stabiles familiäres und berufliches Umfeld, lediglich die lange Infektionsdauer erscheint auf der Sollseite
--> viel günstiger werden die Voraussetzungen nicht mehr werden, also entschloss ich mich im Dezember 2004 eine Kombinationstherapie mit Peg-Interferon und Ribavirin zu beginnen.
Starttermin 06.01.2005
Vorbereitung
Ich machte mich mit möglichen Komplikationen vertraut, informierte nur mein allernächstes Umfeld und plante den Einstieg in die Therapie kompromisslos, d.h. ich ordnete alle Planungen, Ideen, Vorhaben beruflicher und privater Natur dem einen Zweck unter, dem Erfolg der Therapie. Meine Gedanken fixierten sich auf das, was da kommen möge, ohne in Angst zu erstarren.
Mir meinem Doc vereinbarte ich die erste Woche nach Therapieeinstieg zu Hause zu bleiben und so kam er dann, der besagte Starttermin.
Freitags nachmittags begab ich mich nach der Arbeit in die Praxis meines Docs und ließ mir die erste Spritze geben, fuhr entspannt nach Hause und startete die begleitende Ribavirin-Medikation.
Bis zum späten Abend spürte ich so gut wie keine Nebenwirkungen, schlief allerdings in dieser Nacht sehr unruhig, hatte ständig Durst und so fühlte ich mich am nächsten Morgen doch etwas zerschlagen. Kopf- und Gliederschmerzen begleiteten den Tag, trotzdem ging ich länger spazieren, was dem Allgemeinbefinden gut tat. Am Sonntag ging es mir erstaunlich gut und ich konnte sogar ein ca. 5 Km langen Waldlauf absolvieren, allerdings in sehr sehr moderatem Tempo und deutlich erhöhten Puls gegenüber "Vortherapie-Läufen", aber das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Die Woche verlief unproblematisch mit leichten Kopfschmerzen, einem zweiten etwa 7 Km langen Waldlauf, gutem Appetit und ruhigen Schlaf. Die Belastbarkeit war insgesamt deutlich reduziert, mein Schlafbedürfnis erhöht (ca. 7-8h), die Entscheidung die erste Woche ohne den tgl. Arbeitsstress vergehen zu lassen eine nachvollziehbar richtige.
Freitags die 2. Spritze wieder bei meinem Doc, nur diesmal mache ich das selbst, danach nach Hause ohne grössere Probleme. Am Samstag heftige Gliederschmerzen, nur ein kurzer Spaziergang ist möglich, aber auch der tut wieder gut. Am Sonntag heftige Gliederschmerzen und Reizung des gesamten Brust- und Schultermuskulaturgürtels, ich gehe aber raus, mache einen langen Spaziergang, der mir gut bekommt. Montag und Dienstag bin ich noch zu Hause, mache montags trotz der Muskelprobleme einen lockeren Waldlauf und löse damit die Reizung und Verspannung weitgehend auf.
Mittwochs mein erster Arbeitstag nach Start der Therapie, meine Kollegen und mein AG sind nicht informiert und das ist auch gut so, alles läuft ruhig, abends noch meine Weiterbildung, alles im grünen Bereich.
So läuft meine Therapie dahin, die Nebenwirkungen sind bisher auszuhalten, die Wochenenden nach Spritze 3,4 und 5 sind von immer weniger Porblemen geprägt, die Arbeitswoche bekomme ich gut hin, auch wenn ich abends manchmal fertig bin.
Meine Waldläufe sonntags bekommen mir weiter bestens, ebenso die immer länger werdenden Spaziergänge am Samstag.
Insgesamt ist das Leben etwas langsamer geworden, ohne das es vorher hektisch gewesen ist, ich entscheide kurzfristig ob ich etwas tue oder nicht und bisher fahre ich damit sehr gut.
Meine Blutwerte hinsichtlich des Ribavirins sind stabil, mögen es so bleiben, und die ersten Anzeichen bei den Transaminasen sind viel versprechend, will heissen sie sind schon deutlich gesunken, ja zum Teil schon wieder im Normbereich. Die Viruslast bekomme ich erstmals Ende der 6.KW.
Es scheint sich jedenfalls was zu tun...
Ich hoffe meine folgenden Berichte sind von ähnlich positiver Natur, in diesem Sinne
bis dahin, es grüßt
Stefan Fortsetzung / Situationsbericht vom 26.04.2005Seit meinem ersten Bericht sind schlappe 10 Wochen vergangen und es gibt positive Neuigkeiten, aber der Reihe nach.... Nachdem ich zu Beginn der 6.KW zwei recht üble Tage hinter mich gebracht habe, kam die Nachricht der Woche am Mittwoch Abend im Telefonat mit meinem Doc, der mir in seiner liebenswürdig trockenen Art mitteilte, Leberwerte im Normbereich, alle Blutwerte innerhalb der Toleranz und die Viruslast befindet sich unterhalb der Nachweisgrenze. Ein echter Hammer, aber ein GUTER ! Mit einem so schnellen Ansprechen konnte nun wirklich niemand rechnen und es ist ein seltsames, wenn natürlich auch tolles, Gefühl nach so viel Jahren gesagt zu bekommen, das Virus sei nicht mehr nachweisbar. Solche Neuigkeiten motivieren und helfen ungemein, aber ich bin Realist genug sie nicht über zu bewerten und doch steigt die Hoffnung auf einen nachhaltigen Therapieerfolg stark an. So nimmt meine Therapie einen relativ unspektakulären Verlauf (im positiven Sinne), meint, ich leide nur unter relativ wenigen Nebenwirkungen. Ich habe zwar häufig Kopfschmerzen, gelegentlich leichte Kreislaufschwankungen und habe bisher 5-6 Kilogramm Gewicht verloren, aber im Grossen und Ganzen bin ich recht einsatzfähig. Gelegentlich geht für 1-2 Tage nichts mehr, dann bleibe ich zu Hause und mache eigentlich fast gar nichts, das scheint mein Körper dann aber einfach zu brauchen. Ansonsten bin ich körperlich belastbarer als ich erwartet habe, so jogge ich regelmäßig, fahre Fahrrad und arbeite aktiv an der Gestaltung unseres Gartens, wo ich es zur Zeit noch mit sehr anstrengenden Erdarbeiten zu tun habe. Natürlich ist die körperliche Belastungsfähigkeit um ca. 30-40% reduziert, aber im Vorfeld der Therapie rechnet man eher damit, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Maße körperlich aktiv sein zu können. Manchmal fällt es auch sehr schwer sich aufzuraffen und aktiv zu sein, aber nachher fühle ich mich immer besser, wenn auch oft hundemüde und ich genieße dies auch immens, da es dem Selbstwertgefühl enorm zuträglich ist und hoffe daher, dies bleibt so. Die geistige Belastbarkeit und Konzentrationsfähigkeit hat sicher in ähnlichem Umfang nachgelassen, aber meinen Arbeitsalltag bekomme ich gut hin und auch meine laufende Weiterbildung besuche ich regelmäßig, auch wenn ich deren erfolgreichen Abschluss als eher unwahrscheinlich erachte (Prüfung Ende Juni 2005 parallel mit Beendigung meiner Therapie), da ich einfach zum Lernen keine Power mehr habe. Nach 12 Wochen Therapie dann die nächste Überprüfung der Viruslast und wieder unterhalb der Nachweisgrenze, parallel dazu bleiben die Blutwerte bezüglich des Ribavirins unbedenklich und meine Leberwerte sind alle im Normalbereich. Dies ist einfach ein tolles Ergebnis und gibt Kraft für die 2. Halbzeit der Therapie. Es ist die letzte Woche im April, zwei Drittel der Therapie liegen hinter mir und auch wenn ich mal wieder die oben beschriebenen 1-2 Tage durchmache bin ich weiterhin guter Dinge. Ich melde mich wieder.. Bis dahin, es grüßt Stefan
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| Aktualisiert ( Samstag, den 22. August 2009 um 23:04 Uhr ) | ||||
Es war so wie bei vielen anderen auch, der pure Zufall, dass ich es erfuhr mit der Hepatitis C