Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Isabelle's Erfahrung mit PEG-Interferon und Ribavirin

 

Beginn der Behandlung: 12. Juli 2001

Zu meiner Person:

Ich bin 32 Jahre alt, weiblich und arbeite 80 % bei einer Bank. Meine Ansteckung mit Hepatitis C geschah ca. im Jahr 1987. Mit grosser Wahrscheinlichkeit infolge Drogen (Spritzenaustausch). In diesem Jahr hatte ich noch eine akute Hepatitis B. Zu dieser Geschichte möchte ich nicht mehr erzählen, denn ich habe diese Zeit "ad akta" gelegt und möchte die Erinnerungen nicht mehr hervorrufen. Ich kann nur sagen, dass ich seit 1988 keine Drogen mehr konsumiere und ich stolz bin, dass ich es geschafft habe diesem Teufelskreis zu entrinnen! Und dass ich mich überglücklich schätze mich nicht noch mit Aids angesteckt zu haben.

Die Hepatits C wurde erst im Jahre 1996 anhand einer Blutspende festgestellt. Zu dieser Zeit war die Behandlung mit dem normalen Interferon ohne Ribavirin aktuell und die Heilungschancen waren dort bei ca. 10-20%. Dies machte mich unsicher und ich beschloss daher ein paar Jahre abzuwarten. Auch heute, noch bevor ich mich entschloss an dieser neuen Studie (Erfolgschancen 40-60% je nach Gen-Typ, es gibt ja 6 verschiedene Typen) mitzumachen, fühlte ich mich gesundheitlich sehr gut. Ich bin mir aber bewusst, das meine Leber irgendwann, vielleicht schon in 5, vielleicht erst in 20 Jahren rebelliert und ich krank werden kann. Denn wie Ihr bestimmt auch wisst, wird Hep.C zu 90 % chronisch. Deshalb sehe ich in dieser Studie eine sehr grosse Chance diesen NICHT harmlosen Virus loszuwerden! Wenn ich viel Glück oder besser gesagt, so Gott will, werde ich den Virus für immer los. Den Virus loswerden, dies wünsche ich jedem von ganzem Herzen, der an dieser Studie, einer nächsten oder wenn das Medikament auf den Markt kommt. Eine Hoffnung für jeden ist es auf jeden Fall!

Ich möchte Euch nun erzählen wie's mir ergangen ist...
Übrigens bin ich Genotyp 3. Dieser Typ ist eher selten, hat aber bis zu 60 % Heilungschancen!

Als wir, mein Freund Martin und ich, den Termin (17 Uhr, donnerstags) beim Herrn Doktor hatten, er uns die Vorbereitung der Spritze zeigte und das Interferon mir nachher in den Bauch spritzte, waren wir beide froh, als es vorbei war! Obwohl die Anspannung immer noch gross war. Denn die Frage, wie sind die Nebenwirkungen, wann fängt es an, kann ich die Nacht durchschlafen, bekomme ich starkes Fieber, Gliederschmerzen und und und war immer noch offen. Von den Nebenwirkungen (die innert 24 Stunden nach der Spritze auftreten) lasen wir hauptsächlich im Internet nach und dies machte uns Angst. Wir wussten dass diese unterschiedlich sein können und die ersten Male am stärksten auftreten würden. Also nahm ich nach dem Nachtessen um 19 Uhr ein Panadol (empfohlenes Schmerzmittel). Um 22 Uhr, vor dem Schlafengehen, nahm ich nochmal ein Panadol, sozusagen zur Vorsorge. Ich schlief bald ein... Um 1:50 wachte ich zum erstemal schweissgebadet auf und fröstelte zugleich. Also hatte ich Fieber wurde mir schnell klar. Ich ging schlotternd zur Toilette und nahm nochmals ein Panadol. Die restlichen Stunden der Nacht waren nicht mehr so angenehm. Ich fühlte mich, als hätte ich eine heftige Grippe. Gliederschmerzen, schwitzen, frieren sowie leichte Kopfschmerzen. Und fast alle halbe Stunde erwachte ich und wälzte mich hin und her. Nun, ich war froh, als die Nacht überstanden war und ich wusste, was ich in der Zukunft zu erwarten hätte. Wie eine normale Grippe mit Fieber und Ihren üblichen Nebenwirkungen halt. Martin und ich stellten es uns viel schlimmer vor... Natürlich war ich froh, meinen freien Tag (ich arbeite ja 80 % und habe am Freitag frei) zu haben. Martin hatte auch freigenommen und mich wunderbar unterstützt. Ich muss sagen, ohne diese liebevolle Unterstützung meines Freundes, mit dem ich zusammenwohne, und die meiner Familie und Freunde hätte ich viel weniger Mut und Motivation gehabt für alles. Es tut unheimlich gut einen so wundervollen Partner zu haben, der einem hilft wo er nur kann und auch die Angebote der Familie und Freunde; es tut einfach gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

An diesem ersten Freitag konnte ich nicht allzuviel unternehmen. Ich hatte noch einen Termin beim Frauenarzt und danach wollte ich unbedingt mit Martin einkaufen gehen. Dies war wohl keine gute Idee. Die vielen Leute machten mich nervös, meine Beine und Arme waren schwer, ich fühlte mich einfach so richtiggehend schlapp. Somit wurde ich auch noch "hässig" zu ihm, obwohl er sich grosse Mühe gab. Aber mir wurde einfach alles zuviel. Sogar das Tablett mit dem Mittagessen drauf kam mir vor wie als sei es einen Zentner schwer. Das Mittagessen schmeckte auch nicht, ich hatte keinen grossen Hunger. Er brachte mich so schnell es ging aus dem Einkaufszentrum heraus und nach Hause. Huuuu, war ich froh, als wir zu Hause ankamen. Jetzt nur noch ins Bett und schlafen, ich war so müde.

Nach 2 Stunden erwachte ich wieder. Das Schlafen hatte mir gut getan! Ich fühlte mich besser. Dann tranken wir ein Kaffee zusammen und assen ein paar Biskuits, aber es ging nicht allzulang und ich wurde wieder müde und schlief nochmal ca. 1 1/2 Stunden. Zwischendurch nahm ich nochmal ein Panadol zur Linderung der Schmerzen und des Fiebers.

Am Abend schauten wir uns einen Film an und gingen dann zeitig ins Bett. Diese Nacht schlief ich schon viel besser. Ich schwitzte und fror auch nicht mehr so fest. Am Samstagmorgen hatte ich nur noch leicht erhöhte Temperatur und fühlte mich nicht mehr so schlapp und unleidig wie am Tag zuvor. Den Haushalt machte aber grösstenteils mein Freund. Ich muss sagen, ich war froh, denn Treppensteigen (wir wohnen im 3. Stock, ohne Lift) machte mir Mühe. Geschweige denn staubsaugen oder so. Am Sonntag hatte ich dann kein Fieber mehr und es ging mir bedeutend besser. Wir schliefen etwa bis 10 Uhr, haben ganz gemütlich gefrühstückt und sind dann noch spazieren gegangen. Beide waren so froh dass es mir wieder besser ging. Es sah also so aus, als ob ich den Freitag abschreiben konnte, den Samstag ruhig nehmen musste und am Sonntag doch etwas unternehmen konnte. Wir waren beide glücklich das erstemal hinter uns zu haben. Die Angespanntheit senkte sich! Jetzt wussten wir, die grössten Nebenwirkungen sind bis Montag vorbei. Und ich kann auch arbeiten gehen. Dies ist wichtig da ich im Geschäft nicht gross erzählt habe dass ich Hepatits habe und eine Therapie mache. Natürlich war ich müder als sonst, aber dies fällt nicht gross auf und kann viele Gründe haben.

Am Dienstag bemerkte ich an der Einspritzstelle einen dunklen Fleck. Dies ist bestimmt der Ausschlag von dem der Doktor sprach. Ca. 30 % erhalten an dieser Stelle eine leichte Rötung, die aber nach gut einer Woche wieder abklingt. Etwas mehr störte mich der Ausschlag an meinem Gesicht. Ich hatte Neurodermits (14-20 jährig), das sich auch heute noch zwischendurch zeigt. Nun ich denke, bei mir ist dies nervlich bedingt. Die ganze Aufregung und so, kann das natürlich wieder auslösen. Mit einer leicht cortisonhaltigen Salbe habe ich's aber ziemlich gut im Griff.

Damit ich die Erholung unter der Woche unterstützen kann, achte ich auf eine gesunde Ernährung und nehme zusätzliche Viamine (Nestrovit) zu mir . Zwar rauche ich noch (ca. 5 Zigaretten pro Tag), aber ich werde, noch während der Behandlung und zwar in unseren Ferien in Bali, versuchen aufzuhören. Ich denke schon, dass es mir dann vielleicht noch etwas besser geht. Ich werd es schreiben, wenn ich es gemacht habe...

Ja Ihr habt richtig gelesen, ich darf während der Behandlung in die Ferien! Die Kontrolluntersuchungen verlaufen so: Eine Woche nach der ersten Spritze, die zweite Woche und die vierte Woche muss man zur Kontrolle (Blutentnahme u. allg. Zustand). Nachher nur noch alle 4 Wochen. Also kann man es sich ausrechnen wann die Kontrolle-freien Wochen sind und während dieser Zeit den Urlaub planen. Man bekommt ein Bewilligungsschreiben vom Arzt, damit man die Medikamente ins Flugzeug mitnehmen kann (sie müssen gekühlt transportiert werden). Ich muss sagen, dies hat uns positiv überrascht!

Das zweite Mal:
Kam die Frage auf: Mach ich mir die Spritze oder macht sie mir mein Freund? Beide waren recht nervös. Es stört mich schon sehr, dass man sich dieses Zeugs spritzen muss, aber eben, was will man machen. Im Moment geht's einfach noch nicht anders. Also nach dem mühsamen vorbereiten des PEG-Interferons (Ampulle öffnen, aufsaugen und in ein anderes Fläschli zum Pulver geben, danach vermischen und wieder aufsaugen wobei man möglichst wenig berühren darf wegen der Infektionsgefahr) lag ich auf dem Sofa mit der Spritze in der rechten Hand, mit der linken hielt ich ein Stück Haut meines Bauches bereit. Der ganze Bauch zitterte und meine rechte Hand auch! Nein, ich kann es nicht!! Es geht einfach nicht, ich zitterte zu stark. Martin war neben mir und nahm mir die Spritze ab. Mit einem leichten, fast nicht spürbaren Stich liess er die Flüssigkeit in die obere Hautschicht hinein. Es tat wirklich fast nicht weh! Die Flüssigkeit spürt man mit einen sehr leichten Druck (viel weniger als beim impfen).

Ein grosser Stein viel mir vom Herzen. Wir hatten es geschafft! Besser gesagt, mein Freund hat es geschafft! Ich war so froh, dass Martin mir die Injektion gegeben hat, denn ich wär wahrscheinlich jetzt noch am zittern *grins*. Diesmal waren wir später dran. Es war ca. halb acht Uhr abends. Um 22 Uhr gingen wir wieder ins Bett und ich hoffte, da es das letztemal ca. 9 Stunden ging bis die Nebenwirkungen einsetzten, diese Nacht fast durchschlafen zu können... Und wirklich, ich erwachte um 3:30, musste zur Toilette und wunderte mich, dass ich nicht fröstelte. Geschwitzt hatte ich, ja, aber ich schlotterte nicht als ich zur Toilette ging! Kurz darauf schlief ich dann auch wieder ein und erwachte dann mit Martin so gegen 8 Uhr morgens. Aus Neugier massen wir meine Temperatur. Ich hatte sehr leicht erhöhte Temperatur (36,9)! Also das wär ja toll, wenn's schon beim zweitenmal nicht mehr so stark wird. Beide glaubten wir noch nicht ganz daran. Vielleicht kommt es diesmal erst später... Wir freuen uns noch nicht zu früh!

Und wirklich, das Fieber und die starken Gliederschmerzen blieben weg. Das heisst, die Müdigkeit, schwere Beine beim Treppensteigen, Appetitlosigkeit und unmotiviert sein, bleiben, aber das hohe Fieber war nicht gekommen! Der Arzt sagte, die Nebenwirkungen reduzieren sich mit jedem Mal, dass es aber so schnell ging, hätten wir beide nicht gedacht! Jetzt können wir nur hoffen, dass es so bleibt...

Über die Nebenwirkung depressive Verstimmung machte ich mir auch oft Gedanken, denn ich bin ein etwas depressiv veranlagter Mensch. Habe so alle 3-4 Wochen Stimmungsschwankungen und muss dann oft weinen, bin traurig, obwohl ich eigentlich keinen Grund habe. Klar, manchmal gibt es Gründe, aber dann wird diese traurige Stimmung schlimmer und es kann in Hysterie ausarten. Ich erzähle Euch davon, weil meine Stimmung am Samstag recht komisch war. Es ist jetzt schwierig zu sagen, ob es von den Medikamenten kommt oder ob es eine bei mir "normale" Homornspiegelveränderung vor meinen Tagen ist. . Ich werde Euch auf dem laufenden halten...

Das dritte Mal:
Diesmal machte Martin die Spritze von Anfang an. Ich schaute auch nicht zu. Als er die Flüssigkeit reinliess, spürte ich weniger brennen, aber eine komischen Druck. Endlich er war fertig! Jetzt schnell das kleine (eigentlich nicht nötig) Pflaster drauf. Ups, was ist denn das?? Eine leicht bläuliche Erhebung dort wo er reigestochen hatte und es schmerzte irgendwie anderst. Mein erster Gedanke war, jetzt hat er eine Ader erwischt! Ohje ohje, er sagte "Shit, hab wirklich vergessen zu schauen ob Blut kommt!!! Ich ruf schnell im Spital an und frag nach..." Ich lag da und fühlte mich recht komisch, mehr vor Aufregung als etwas anderes, denke ich. Die Frau vom Spital fragte ihn als erstes ob es mir noch gut ginge. Es könnte schon mal passieren, dass man eine kleine Ader erwischt und es bisschen blau wird. Dies sei nicht weiter schlimm, evtl. kommen die Nebenwirkungen etwas stärker, aber wir brauchen uns keine Sorgen zu machen! In der Bauchdecke, grad unter der Haut, habe es sowieso keine grossen Adern. Wir waren nun wieder beruhigter und machten uns einfach auf eine stärkere Nebenwirkung gefasst. Ich nahm also zum voraus ein Panadol und als ich ins Bett ging nochmal eins.

Um 4 Uhr morgen erwachte ich dann. Ich hatte geschwitzt, das merkte ich am feuchten T-Shirt, und meine Schulter war irgendwie verkrampft, die Glieder taten bisschen weh. Ich hatte also wieder Fieber, aber schlimmer als das erstemal wars ganz bestimmt nicht. Wir nahmen den ganzen Tag gemütlich. Treppensteigen machte mir wieder mühe. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, dass ich letzten Mittwoch im Aerobic war. Ja, ich war im Step-Aerobic! Klar wurde ich etwas schneller müde, aber mithalten mit den anderen konnte ich alleweil. Und es hat gut getan, denn normalerweise geh ich zweimal die Woche in Aerobic-Stunden.. War aber seit Beginn der Behandlung nicht mehr. Ehrlich gesagt, hätte es die ersten zwei Wochen auch noch keinen Wert gehabt. Die Anstrengung wär zu gross gewesen. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich nehm mir auf jeden Fall nicht allzuviel vor.

Diesen Samstag waren wir am Geburtstagsfest meiner Grossmutter. Es war ein richtiges Familienfest. Ich traf viele Leute die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Und mein Grosi freute sich auf eine vollzählige Anzahl der geladenen Gäste. Für mich war es eine gute Ablenkung, die dann doch etwas anstrengend war, vorallem die Hitze im Restaurant machte mir zu schaffen. Um 22.30 h gingen wir nach Hause. Ich war froh dass ich diesen Abend erstaunlich gut geniessen konnte. Mein Appetit hielt sich in Grenzen (seit Beginn der Behandlung), aber bei der Hitze fiel dies gar nicht auf. Am Sonntag war nochmal ein Fest. Martin's Pate wurde 2-jährig! Es war wieder heiss, aber auch sehr amüsant. Der kleine Junge war ganz ausser sich vor Freude über all die vielen Geschenken die er bekam. Auch dies lenkte mich widerum ab und das war gut so! Etwas müder fühlte ich mich, aber dies fiel niemandem auf. Und ich denke durch die Ablenkungen hatte ich diesmal keine grosse Zeit zu überlegen, kommt das jetzt von dem oder hatte ich das vor meiner Behandlung auch schon. Für solche Fragen blieb dieses Wochende keine Zeit.

Übrigens hatten wir diese Woche Ferien. Das Wetter hat es gut gemeint und wir sind fast jeden Tag ins Schwimmbad. Für sonstige Ausflüge oder Wanderungen war es zu heiss. Möchte Euch draufhinweisen, dass Ihr beim sonnenbaden vorsichtig sein sollt. Wie ich weiter oben schon geschrieben habe, bekomme ich an der Einstichstelle nach zwei bis drei Tagen einen roten Fleck. Dieser wird durch sonnenbaden verstärkt und wird dann dunkler. Allgemein tut mir zuviel Sonne nicht gut. Die Wärme macht irgendwie noch schlapper. Ich empfehle Euch also eher den Schatten aufzusuchen.

Meine Haut ist seit der Behandlung noch empfindlicher geworden, irgendwie kommt es mir vor als sei ich auf alles empfindsamer geworden. Ich habe schneller warm oder kalt, ich fühle mich schneller schlapp oder dann wieder aufgestellt, habe öfter einen schweren Kopf, meine Stimmung kann sich von einer Minute zur andern ändern. Es ist alles intensiver geworden. Aber es ist eine absehbare Zeit die ich/wir durchstehen werden. Zusammen sind mein Partner und ich stark. Wir schaffen es! Wir denken jedesmal wenn's mir schlechter geht, genau in dieser Zeit geht es meinem Virus an den Kragen und das ist es ja was wir wollen...

Das viertes Mal:
Besuch beim Arzt war angesagt! Ich klagte Ihm alle meine obenbeschriebenen Leiden. Er nahm es zur Kenntniss und versuchte mich/uns irgendwie zu trösten. Das seien halt die unerwünschten Nebenwirkungen von Interferon. Die Stimmungsschwankungen könnten auch von der von mir neu eingenommenen Pille kommen. Ich verhütete vorher mit einem Temperaturgerät, weil ich die Pille nicht so gut ertrug und ich über 30 Jahre alt bin und rauche(nicht mehr lange J). Doch solche Stimmungsschwankungen und Unlust hatte ich vorher, mit Pille, noch nie. Nahm Pille fast 10 Jahre lang ein, aber hab vor 4 Jahren damit aufgehört... Mal sehen, ich muss nach 1 ½ Monaten nochmal zum Frauenarzt zur Nachkontrolle und werde mit Ihr reden. Allenfalls soll Sie mir dann eine andere Pille verschreiben lassen.

Nun hatte uns der Doktor noch was sehr erfreuliches mitzuteilen. Der Virus sei bei mir schon nach zwei Wochen verschwunden! Dies sei eher ungewöhnlich! Da dies, wenn überhaupt so früh, erst nach ca. 4 Wochen Behandlung eintrete. Ich spreche also sehr gut auf die Therapie an. Es soll aber nicht heissen, dass ich jetzt geheilt bin, nein es soll uns einfach Hoffnung geben...

Diese Nachricht hat uns natürlich sehr gefreut! Ich spreche also schon nach der zweiten Woche gut auf die Therapie an, das war eine gute Nachricht. Wir hoffen jetzt fest der Doktor ruft uns morgen nicht an. Denn dies wär nicht so gut. Ich müsste eventuell die Dosis verringern und dies wär widerum eine kleine Chancenverringerung auf eine vollständige Heilung.

Siebte Woche:
Sorry, dass ich länger nicht geschrieben habe... Mir war in den letzten 2-3 Wochen nicht danach zumute. Wenn ich abends nach Hause komme ist mein Kopf so müde und ich hab eigentlich zu gar nichts mehr Lust. Meine Stimmungsschwankungen sind auch schlimmer und öfter geworden. Ich bin wegen kleinen Alltagsachen oft so gereizt, beschuldige dann meinen Freund und bin dann nachher auf mich wütend, weil ich mich wegen so einer Bagatelle aufregen konnte. Ich fange dann an zu weinen, schreien und weinen und am Schluss weiss ich nicht mehr warum.

Morgens fühlen sich meine Glieder am schwersten an. So dass ich am liebsten nicht aufstehen würde. Aber ich muss aufstehen, sag ich mir, denn ich möchte nicht zu Hause bleiben! Bei der Arbeit werde ich wenigstens abgelenkt. Und nach einer gewissen Anlaufzeit geht’s dann schon (ist auch nicht jeder Tag gleich), aber man hat einfach zweidrittel weniger Energie als vor der Behandlung.

Wir besprachen dass mit dem Arzt. So kamen wir zu dem Punkt, dass ich während ein Anitdepressiva einnehmen soll, damit diese, auch für unsere Partnerschaft belastende Stimmungsschwankungen, aushaltbar werden. Ich soll aber zusätzlich noch einen Psychologen aufsuchen zum reden. Hatte diese Schwankungen schon vor Therapiebeginn, aber weniger oft, intensiv und lange. Ich denke so ist es das Beste. Der Arzt sagte noch, falls ich in ein zu tiefes Loch falle, müsse ich die Therapie abbrechen. Dies will ich aber auf keinen Fall, ich möchte diese halbe Jahr durchstehen und darum mache ich alles, damit es wieder besser wird! Mein Freund unterstützt mich wirklich wo er kann! Es tut gut einen so verständnisvollen und lieben Partner zu haben. Ohne Ihn würde das ganze noch schwieriger. Manchmal frag ich mich, ob ich wohl diesselbe Geduld für Martin aufbringen könnte, wenn er die Therapie durchstehen müsste... Etwas möchte ich noch schreiben! In letzter Zeit habe ich leider auch das beten vernachlässigt. Martin und ich werden versuchen, wieder jeden Abend, wenn auch nur kurz, mit Gott zu sprechen. Denn ich weiss, dass Gott uns viel Kraft geben kann. Wir müssen es nur wirklich zulassen...

So, langsam bin ich müde vom schreiben. Ich melde mich wieder, sobald sich etwas wesentliches geändert hat.

Zehntes Mal:
So, nun hab ich bereits das zehnte Mal hinter mir. Bald ist die Hälfte geschafft!!!

Es ist jetzt schon über zwei Wochen her, seit ich die „Muntermacher“ schlucke und siehe da, seit gut einer Woche ist meine Stimmung ausgeglichener. In der ersten Woche musste ich die Nebenwirkung wie extreme Schläftrigkeit, Magen-Darm Probleme durchmachen, aber jetzt bin ich echt froh, hab ich das Zeugs genommen. Ich kann nun auch wieder mal lachen und das Ganze mal Humor sehen. Klar bin ich immer noch müde und hab fast jeden Tag Kopfweh oder irgendein anderes Leiden, aber ich nimm’s irgendwie gelassener als vorher. Muss auch nicht mehr weinen ohne Grund. Kurz gesagt, ich falle nicht mehr in ein tiefes hoffnungsloses Loch hinein. Meine „Wein-und Selbstmitleid“-Phasen habe ich nun im Griff. Wir sind sehr froh darüber, denn die Belastung war sehr sehr gross, für beide! Jetzt hoff ich nur, dass nichts mehr Neues dazukommt und die noch bevorstehenden 14 Wochen schnell vorbeigehen...

So, nun nehm ich noch ein Bad, so kann ich mich entspannen. Ich achte auf viel Schlaf, gute Ernährung und versuch mich mit Körperpflege zu verwöhnen und einfach das zu machen wonach mir gerade ist. Das tut der Psyche und dem Körper gut. Sich vom Partner massieren zu lassen, das enspannt total, ist schön und lindert, zumindest vorübergehend, die Gliederschmerzen. Ins Aerobic mag ich nicht mehr, ich fühl mich abends, nach der Arbeit einfach zu müde und möchte nicht mehr viel unternehmen. Freitags (mein freier Tag) und am Wochenende, mache ich immer ein Mittagsschlaf, dies tut auch gut, obwohl ich meistens Anlaufschwierigkeiten habe bis ich wach werde. Dies ist halt so, wenn mann mitten am Nachmittag in einen Tiefschlaf verfällt.

Bald haben wir Ferien, in drei Wochen geht’s nach Indonesien, nach Bali. Wir freuen uns riesig und schätzen, dass man auch während der Therapie verreisen kann. Beide hoffen fest, dass ich die hohe Luftfeuchtigkeit und den Wärmeunterschied gut ertrage. Wir können es ja gemütlich nehmen! Und je nach dem wie es mir geht auch mal einen Ausflug machen. Wir werden’s sehen! Auf jeden Fall freu ich mich riesig!

Werde mich nach den Ferien, Anfang November wieder melden... Bis bald

vierzehntes Mal:

Back to Switzerland! Leider, denn ich hätte es noch ein paar Wochen länger ausgehalten!

Klar der lange Flug war mühsam, aber irgendwie ging auch dies vorbei. Am ersten Tag schliefen wir bis 12 Uhr Mittag aus. Wenn wir gewusst hätten was für ein feines Frühstücksbuffet es gab, hätten wir den Wecker gestellt. *grins* Nun aber schnell aufstehen und das Meer, den Strand und die Hotelanlage besichtigen. Wunderschön ist alles und die Balinesen sind sehr freundliche und zuvorkommende Menschen! Das tut meiner Seele gut... Jup, zwei Wochen nur das tun was wir möchten, faulenzen, essen, trinken, lesen oder auch mal einen Ausflug machen. Ingesamt waren wir an 3 Ausflügen. Der Tagesausflug war am strengsten für mich. Lange sitzen, jedemenge Eindrücke, der Wechsel von kalt und warm (im Auto hatte es Klimaanlage) und auch das zuhören machten müde. Aber es war interressant und die Landschaft sehr schön. Wir gingen geschafft aber zufrieden ins Bett.

Was mir am meisten zu Mühe bereitete, war die Klimaanlage im Zimmer. Wenn wir sie abstellten in der Nacht wurde es richtig warm und feucht. Ich schwitzte und durch’s schwitzen, juckte es und ich kratzte fest. Vorallem um den Mund herum, am Hals und Ellenbogen innenarm. Wir liessen die Anlage also eingeschaltet. Dadurch wurde aber die Luft sehr trocken und meine Haut schuppte und bekam Risse. Mir war dies aber doch noch lieber als ständiger Juckreiz.

Was ich mir erhoffte für die Ferien war wieder mehr Lust auf Sex zu spüren. Ich dachte, wenn wir mehr Zeit haben und ich nicht mehr so müde bin, dann kommt das schöne Gefühl wieder. Viel besser war’s leider nicht. Seit der Therapie regt sich bei mir nicht mehr allzuviel. Das beschäftigt und belastet natürlich auch. Ich bin froh ist Martin so verständnisvoll und drängt mich zu nichts. Er versucht mir Mut zu machen und sagt, dass es wieder anders wird. Im Moment kann man sich das zwar nicht vorstellen, aber ich hab auch schon von anderen gelesen und diese schreiben dass es wieder besser wird!

Während den zwei Wochen hatte ich fast keine Kopfschmerzen. Es war so richtig schön, wieder mal einen klareren Kopf zu haben! Was an Leid noch dazugekommen ist, ist das wovor ich mich am meisten gefürchtet hab. Haarausfall! Zwar ist es bis jetzt noch nicht sichtbar für die anderen, aber es ist schon beängstigend, jedesmal einen kleinen Büschel Haare im Kamm zu haben, wenn Du sie kämmst. Ich bete dass es nicht mehr wird. Ansonsten werd ich irgendwas erfinden für die Leute die nichts von meiner Therapie wissen. Hab das schon überlegt. Ich könnte ja Hormonstörungen oder sowas haben, die dann nach ein paar Monaten wieder verschwinden. Ihr seht, ich bin vorbereitet! Es beruhigt mich einfach. Ich weiss, ich weiss, ich sollte nicht immer das Schlimmste denken. Nur manchmal fällt mir das schwer.

So, genug gejammert! Ich empfehle jedem, wenn’s irgendwie geht, die Ferien nicht zu verschieben. Vielleicht nicht so weit weg wie wir es gemacht haben, aber es tut bestimmt jedem gut. Bin nun wieder müde vom schreiben... ich meld mich wieder wenn was spezielles geschieht!

neunzehntes Mal:

Jup!!! Nur noch viermal bekomm ich eine Spritze... Diese letzten Wochen vergehen langsam. Wir sind beide (oder besser gesagt alle die es wissen) froh wenn’s vorbei ist, denn langsam aber sicher geht uns die Kraft aus. Ich weiss, andere müssen ein Jahr, aber dann wäre es wieder anders! In vier Wochen darf ich damit aufhören und dann hat man das Gefühl man würde es kein einziges Mal mehr aushalten!

Die Haare fallen mir nun noch mehr aus, aber sichtbar für die anderen ist es nicht. Der Arzt hat mir gesagt, dass er noch nie einen Fall gehabt hätte, bei dem eine Perücke benötigt wurde. OK ich glaube Ihm und bin nun etwas beruhigter. Meine Neurodermitis will sich auch nicht mehr beruhigen. Ich kratze mich vorallem in der Nacht wenn ich schwitze. Dadurch hab ich einen unruhigen Schlaf und bin umso müder den Tag hindurch. Zum Arbeiten geht’s aber immer noch! Es ist wirklich gut so, denn da bin ich abgelenkt und kann die ganzen Wehwehchen für einige Stunden vergessen. Dafür jammere ich umsomehr am Abend oder an den Wochenenden. Martin tut mir oft leid. Er braucht schon sehr viel Geduld mit mir. Denn in letzter Zeit bin ich so hochsensibel auf alles geworden, da braucht es nicht viel und ich verfliesse in Selbstmitleid. Ich weiss es kommt wieder besser, aber in solchen Situationen ist es oft schwierig das zu glauben.

Ich bete dann zu Gott er soll uns helfen! Er ist immer da, nur bin ich dann meistens nicht mehr in der Lage mich zu öffnen und Ihn in mein Herz zu lassen. Ich bin sicher er hat Geduld mit mir und ich darf immer wieder zu Ihm kommen und mich ausweinen. Er lässt uns NIE im Stich!!!

Jetzt hoffen wir fest, dass sich dieses halbe Jahr auch gelohnt hat und der Virus sich nicht mehr vermehren kann !! Na ja, es hat sich immer gelohnt, denn eine Hoffnung ist für Jeden da der diese Therapie macht...

Jetzt freu ich mich erst einmal an der besinnlichen Adventszeit. Ich liebe diese Zeit, denn es ist die Zeit der Liebe, Gemütlichkeit, Beisammenseins und der Freude. Das wichtigste ist natürlich JESUS UNSER RETTER hat Geburtstag! Ich hab fast überall in der Wohnung geschmückt. Und zwar mit einem Adventkranz, einer Krippe, Kerzen, Engeli, Samichläusen, Schneemännern etc. So oft ich Zeit habe zünde ich die Kerzen an, höre Musik und geniesse die beruhigende Atmospähre... Nun werd ich das gleich machen! Also ich wünsch Allen eine frohe und besinnliche Adventszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich meld mich im neuen Jahr wieder, sobald ich mehr weiss wie die Therapie verlaufen ist....

12. Januar 2002:

Erst einmal wünsch ich Allen ein glückliches neues Jahr, Gesundheit, Hoffnung, Liebe und dass all Eure Träume und Wünsche in Erfüllung gehen...

Endlich darf ich sagen: Ich bin fertig mit der Medikamenteneinnahme!!! Ich sage Euch das ist ein sehr gutes Gefühl seit drei Wochen keine Spritze und seit 2 Wochen kein Ribarvirin mehr einnehmen zu müssen. Ich war sehr gespannt wie lange es gehen wird bis ich eine Veränderung spüre oder besser gesagt ich mich besser fühlen werde.

Die erste Woche bemerkte ich überhaupt keine Aenderung. In der zweiten Woche, da hatten wir noch Ferien, bemerkte ich, dass ich nicht mehr so müde war und auch einen klareren und sich leichter fühlenden Kopf hatte. Das tut sooo gut! Was mir auch aufgefallen ist, dass es beim Treppenlaufen viel weniger in den Oberschenkeln zieht und ich wieder schneller gehen kann, ohne ausser Atem zu kommen. Wirklich erstaunlich wie schnell man eine Besserung bemerkt! Noch vor 3 Wochen konnte ich mir das nicht vorstellen und heute darf ich denen Hoffnung machen die noch in der Therapie sind und nicht mehr wissen, wie man sich vorher fühlte. Ich glaube fest daran, dass man nach ein paar Monaten Geduld wieder die oder der Alte ist. Meine Haut lässt zu wünschen übrig, die Lust auf Sex auch und die Haare fallen mir auch noch auch. Martin hat mich darauf aufmerksam gemacht dass einige Dinge auch erst zwei, drei Monate nach Therapiebeginn kamen. Es brauche einfach GEDULD. Das stimmt, Danke lieber Martin für Deine tolle Unterstützung !
ICH LIEBE DICH ÜBER ALLES.

Der Virus soll nicht wieder kommen, für das beten wir sehr oft! Der Arzt sagte: Wenn er innerhalb 6 Monaten nicht wieder kommt, dann darf man annehmen die Therapie sei gelungen! Also noch 6 Monate alle 4 Wochen zur Kontrolle. Jedesmal Angst haben, dass sich die Viren wieder vermehren wird bestimmt nicht einfach. Aber ohne Medikamente ist meine Psyche wieder stärker und somit werden wir diese Anspannung aushalten, da bin ich optimistisch. Übrigens habe ich auch gleich mit dem Antidepressiva aufgehört und es geht gut! Bin froh nicht mehr darauf angewiesen zu sein. Klar, es hat mir geholfen durch diese Zeit hindurch, aber jetzt möchte ich wieder versuchen OHNE diese Hilfe weiterzukommen. Ich habe zwar immer noch Gemütsverstimmungen und reagiere manchmal etwas gereizt oder übersensibel. Aber seit ich keine Medikamente nehmen muss, waren meine Verstimmungen nicht mehr so heftig. Zur Psychologin werde ich weiterhin gehen. Sie konnte mir schon viel helfen, besser mit solchen Situationen umzugehen und es anders zu sehen. Auch hat mir der intensivere Kontakt mit Gott sehr geholfen. Ich bete mehr, lese über Ihn, dies ist Balsam für die Seele.

So nun ist grad Martin nach Hause gekommen und ich möchte mich Ihm widmen... Ich melde mich wieder!

März 2002:

Möchte Euch mitteilen, dass es mir seit den letzten 2 Wochen sehr gut geht. Ich fühle schon bald wie vor der Therapie!!! Also, diese Personen die jetzt noch in der Therapie sind, denen möchte ich Mut machen... ES WIRD WIEDER WIE VORHER, HALTET DURCH!!! Auch wenn Ihr das zur Zeit nicht glauben könnt (konnte es mir auch nicht mehr vorstellen), aber es ist so. Ca. 3 Monaten nach Therapieende wirst Du wieder Die oder Der "Alte" sein. Ist das nicht toll? Ich find's wunderbar...Das Wichtigste an dieser ganzen Geschichte >>> eventuell ist man vom Virus befreit! Jeder kriegt eine Chance, dies darf man nicht vergessen! Und wenn auch der Virus wieder kommt, durch diese Erfahrung habe ich das Leben wieder mehr zu schätzen gelernt. Muss nun erst wieder nach einem halben Jahr ( ca. Im Juni 02) zur Kontrolle. Mein Arzt sagte mir, ich müsse nicht mehr alle 4 Wochen Blut abzapfen. *aufatmen* Bin froh darüber, denn dann werde ich nicht alle 4 Wochen daran erinnert der Virus könnte ja wieder da sein. Wenn ich nach diesem halben Jahr virusfrei bin, dann halten mich die Ärzte für "geheilt". Wär das schön... *seufz* Jetzt heisst es, abwarten und Tee trinken, wie man so schön sagt :-)

Ich werd Euch spätestens im Juni berichten wie es mir ergangen ist!

Juli 2002:

Ein kurzer Zwischenbericht...

Es wird nun doch später bis ich zur Nachkontrolle kann. Am 18. Juli habe ich den Arzttermin. Also müssen wir uns noch einwenig länger gedulden bis wir den Bericht haben. Ich denke es wird Anfang August bis ich Euch mitteilen kann ob nun der Virus besiegt ist oder nicht. In der Zwischenzeit habe ich mich sehr gut erholt. Ich bin wieder voll und ganz die "Alte" und freue mich des Lebens :->>
Bis bald also...

31. Juli 2002

*strahl*super*cool*megafreu*hüpf*purzelbaumschlag*dankbarsein*aufschnauf* Ihr könnt Euch die Antwort nun sicher vorstellen wie der Test verlaufen ist :-)))))))))))))))))))))) Jawohl, gestern hat mir mein Arzt auf den Beantworter gesprochen. Der Test ist negativ! Das heisst der Virus ist nicht mehr nachweisbar und meine Leberwerte sind auch in Ordnung. Ich bin so über-glücklich und danke Gott dafür, dass der Virus besiegt ist. Wau, ich sage Euch das ist ein wunderbares Gefühl. Es ist fast unfassbar für mich. Vorallem weil ich mich auch mit anderem Bescheid befasst habe. Hatte mir überlegt was ich wohl machen würde, wenn er wieder kommt... Es stand für mich fest, dass ich gewartet auf ein neues Medikament gewartet hätte und es wieder versucht hätte die Sache durchzuziehen. Denn ich sehe für alle eine Chance den Virus besiegen zu können. Möchte einfach nochmal allen viel Mut, Kraft, Geduld und Ausdauer wünschen die mitten drin, es noch vorhaben oder eben, keinen so guten Bescheid bekamen wie ich! Ich hoffe mit meinem Tagebuch habe ich ein bisschen Einblick in meine Geschichte mit dem Virus Hepatitis C verschafft und Ihr könnt Hoffnung bekommen, dass es sich wirklich lohnen kann diese Therapie durchzustehen mit all Ihren Höhen und Tiefen. Von Herzen wünsche ich Euch gute Genesung und auf dass die Geschichte auch so gut verläuft wie bei mir... Alles Liebe und Gottes Segen wünschen Euch Isabelle & Martin (der natürlich auch sehr froh ist, mich nicht nochmal durch eine so schwierige Zeit begleiten zu müssen :-) )

Martin's Erfahrung mit der Therapie von Isabelle

August 2001

Da sitze ich nun also vor meinem Rechner und versuche die vergangenen Monate mit all den Gedanken und Unsicherheiten, mit den vielen Erfahrungsberichten, Fremdwörter und Grafiken, all die Erfahrungen die wir bis jetzt gemacht haben und all die Ängste, zu beschreiben.

Begonnen hat alles vor ziemlich genau einem Jahr. Dort wurde ich das erste mal konfrontiert mit dem Wort "Hepatitis C". Ich begann in den darauf folgenden Monaten, mich zu informieren. Las Internet-Seiten zu diesem Thema, manche gut, viele eher schlecht oder veraltet. Langsam schien in mir ein Bild davon zu entstehen, was das eigentlich war, dieses Hepatitis. Häppchenweise gab ich dies dann auch meiner Freundin Isabelle weiter. Häppchenweise deshalb, weil ich sie nicht schocken oder zu etwas drängen wollte.

Irgendwie wollte ich sie aber doch dazu bringen, sich einmal von einem Spezialisten untersuchen zu lassen. Bisher war sie nämlich erst von ihrem damaligen Hausarzt in dieser Sache beraten worden. Dieser schien mir, allerdings nur aus ihren Erzählungen, prinzipiell gegen eine Therapie.

Im April dieses Jahres dann planten wir unsere diesjährigen Ferien. Da wir uns für Bali entschlossen wollten wir uns bezüglich Malaria-Prophylaxe informieren und suchten deshalb ein Impfzentrum auf. Dort wurden wir beraten und kamen dann auch auf Hepatitis zu sprechen. Der Arzt empfahl mir dringend, mich gegen A und B zu impfen und auch Isabelle, die bisher nur gegen A geimpft war, sich auch gegen B immunisieren zu lassen (Worauf ich wieder ein ganz klein wenig in meiner Meinung bezüglich ihrem alten Hausarzt bestätigt war). Picks, picks....

Nun wurde das Thema recht oft diskutiert, und schliesslich entschlossen wir uns, zu einem Arzt zu gehen und uns (ich schreibe bewusst uns da ich in den ganzen Prozess integriert war) überschreiben zu lassen. Dieser Hausarzt sagte dann auch gleich dass er keine grosse Ahnung hätte und es sicher das beste sei sich von einem Spezialisten untersuchen zu lassen. Wieder einmal gabs einen Picks, denn ich wollte auch mal wissen ob ich mich eigentlich nicht angesteckt hätte.... Etwas mulmig wars mir dann schon als ich eine Woche später anrief. B und C negativ, A positiv allerdings kam das von der Impfung. Ein kleiner Stein viel da schon von meinem Herz....

Der Spezialist, im folgenden Dr. S genannt, rief dann auch bald zurück und informierte uns telephonisch über das weitere Vorgehen. Wir hatten ja schon bei der Überschreibung angegeben, dass eine Leberbiopsie gemacht werden sollte, um den wirklichen Ist-Zustand festzustellen. Dies hielt Dr. S auch für sinnvoll und so fuhren wir kurz darauf an einem morgen früh ins Spital. Dort wurde ihr erstmals eine Unmenge Blut abgezapft (dieses Wort ist wirklich treffend, waren es doch sicher 7 Röhrchen voll). Anschliessend hiess es etwas warten, und dann wurde sie aus dem Zimmer gerollt.... Da wir uns etwas imformiert hatten was eine Leberbiopsie denn ist (da wird mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke gestochen und ein kleines Stück Leber entfernt, welches dann untersucht wird; das ganze findet bei örtlicher Betäubung statt) konnte ich mir bildlich vorstellen was nun vorgehen würde. Ich ging die Wände hoch, quer über die Decke und an der gegenüberliegenden Wand wieder herunter - jedenfalls kam es mir so vor während ich auf dem Stuhl vor dem Zimmer wartete. Und endlich, nach etwa 45 Minuten fuhren sie meine Isabelle wieder hinein; kreidenbleich. Dies war kein schöner Anblick - sie klage über Atemnot, Übelkeit, Müdigkeit und so weiter. Doch erstaunlicherweise ging es recht schnell bergauf, nach etwa 3 Stunden wurde sie noch einmal mittels Ultraschall untersucht, dann durfte ich sie nach Hause führen. Die Woche darauf klagte sie ein wenig über ein Stechen, doch nach etwa 2 Wochen war alles wieder ok.

Nun folgte das Warten. Dann erfuhren wir die Testergebnisse: Leberzustand sehr gut (was ich sehr erstaunlich fand - immerhin war sie doch schon 10 Jahre infisziert), Virustyp 3 (das sehr positiv war für eine Behandlung), übrige Werte Normal. Dr. S informierte uns über eine derzeit laufende Studie, welche die derzeit aktuelle Kombitherapie in naher Zukunft ablösen soll. Das neue an der Studie sei das PEG-Interferon, welches nur noch einmal wöchentlich gespritzt werden müsse. Mit all diesen Informationen entliess er uns dann nach Hause.

Was nun folgte war eine sehr anstrengende Zeit. Hepatitis war überall. Beim Autofahren, beim Musikhören, alleine oder gemeinsam. Der Gedanken oder besser gesagt die anstehende Entscheidung war allgegenwärtig. Wir wurden zunehmend gereizter und konnten nicht davon lassen... Wir mussten uns überlegen wie es mit Kinder aussehen würde, sämtliche Vor- und Nachteile abwägen.. Merkwürdig war, dass wir immer mehr davon sprachen, wie es wohl MIT der Studien-Therapie wäre als wie es wäre, wenn wir noch zuwarten würden. Wir sprachen es nie aus, aber der Entschluss schien doch gefallen. Kurze Zeit darauf informierten wir dann auch unsere Familien darüber. Nun war der Entschluss wohl endgültig gefallen....

Es folgen zwei weitere Besuche bei Dr. S, beim zweiten dann sollten wir die Medikamente und die erste Spritze erhalten. Warm wars in diesem kleinen Zimmer was wohl nicht so sehr an der Lufttemperatur denn mehr an unserer Nervosität lag... Er erklärte uns wie man die Spritze bereit macht und wie man sie appliziert. Das wars dann auch schon, wir gingen mit Spritzen, Ribavirin-Tabletten sowie 25ml PEG-Interferon unter der Haut nach Hause (okok, das Interferon war logischerweise nur in Isabelle's Bauch) . Dort warteten wir dann was da wohl kommen würde. Die Spannug die da herrschte widerspiegelte die ganze Spannung der letzten Wochen. Nun sollten wir dann endlich wissen was genau passieren würde, und ich war wirklich froh dass die Ungewissheit dann endlich vorbei war. Irgendwann gegen 0300 erwachte ich, Isabelles Haut war feucht-nass, sie schwitzte und fror zugleich. Ich versuchte sie zu wärmen und redete ihr etwas zu - mehr konnte ich beim besten Willlen nicht für sie tun... Der Tag ging vorbei, und am Samstag konnten wir dann sagen, dass es eigentlich gar nicht so schlimm war. 23 mal noch....

In der kommenden Woche war sie recht oft müde, hatte keine rechte Lust etwas zu machen und .... Stimmungsschwankungen. Diese machten uns recht stark zu schaffen, auf einmal musste sie weinen und war dann so schnell durch nichts mehr davon abzubringen.

Am kommenden Donnerstag galt es dann, die erste Spritze selbst zu "geben". Die ganze Sache ist doch etwas umständlich: Wasser aus einer Ampulle ausziehen (alles Wasser; was nicht ganz einfach ist), dann dieses Wasser in eine Flasche mit etwas Pulver spritzen, warten bis sich dieses aufgelöst hat und von dieser Lösung dann die benötigte Menge in die Spritze aufziehen. Sie war recht nervös, also versuchte ich mein Glück. Schlussendlich befanden sich dann doch irgendwann mal 25ml PEG-Interferon in der Spritze, und nun musste dies eigentlich nur noch unter die Haut. Dies hatten wir schon einige Male besprochen; sie konnte sich nicht selbst stechen (könnte ich mich wohl auch nicht..), also blieb dies auch an mir hängen. Irgendwie schaffte es dann doch noch mehr oder weniger nervös... es ist schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, aber im Bewusstsein dass es helfen würde die sch*&"ç Viren zu eliminieren wurde dieses Gefühl einfach verdrängt.

Die darauf auftretenden Nebenwirkungen blieben dieselben. Gut aushaltbar, erfordert es doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit von mir. So kommt es vor, dass ihr Apetitt mitten im essen verschwindet und sie dann nur noch mit grosser Überwindung weiteressen kann (somit kam auswärts essen vorerst nicht in Frage) oder dass sie beim Einkaufen plötzlich einen Ablöscher hat und dann nur noch nach Hause will... Zu bemerken ist vielleicht noch, dass ich es schaffte meinen Chef zu überzeugen, mir während der Therapie jeweils am Freitag unbezahlten Urlaub zu gewähren. So kann ich in der kritischen Zeit, am Donnerstag abend ist jeweils Spritzen-time, bei ihr sein und sie unterstützen. Dies wird von ihr sehr geschätzt, und so mache ich dies auch sehr gerne, obschon ich nicht allzuviel helfen kann; ich versuch halt einfach ihr die alltäglichen Dinge abzunehmen oder zu erleichtern.

Nun ist schon die vierte Ampulle gebraucht, es stehen noch 20 weitere an. Für ein kurzes Fazit reicht es aber wohl doch schon: Die Nebenwirkungen sind gut aushaltbar. Arbeiten am Tag nach der Spritze ist wohl nur sehr schwer möglich, so wie in unserem Fall aber ist dies von Montag bis Donerstag durchaus möglich. Spritzen erfordert wohl noch etwas mehr an Routine, vor allem das etwas umständliche Handling nervt etwas. Das Ribavirin scheint recht gut verträglich zu sein, doch fällt es schwer die Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente (zusätzlich nimmt sie seit Therapiebeginn wieder die Pille, welche sie schon vorhin nicht optimal vertragen hat) auseinander zu halten. Wir haben uns Freizeitmässig nicht zuviel vorgenommen, mal Kino oder besser einen DVD ausleihen oder ähnliches. Hoffen wir dass es in der Art weitergeht, und vor allem dass die Viren eine etwas unangenehmere Zeit haben......

Anfang September 2001
Nun ist also schon 1/3 der Therapie geschafft. Wie die Zeit doch vergeht... Zunächst einmal war der Feedback auf diese Zeilen hier recht gross. Mehrere Personen, die in ähnlichen Situationen sind, schrieben uns. Einige davon mit recht kronkreten Fragen wie „Warum macht ihr die Therapie wenn man doch auch mit der Krankheit recht gut leben kann??“, einige die kurz vor einer Therapie stehen oder standen und einfach noch genaueres wissen wollten. Doch möchte ich hier doch auch nochmals Stellung nehmen zum „warum macht man das“. Logischerweise kann ich dabei nur meine Sicht der Dinge kundtun – jeder wird dies wieder etwas anderst empfinden; hat andere Beweggründe eine Therapie zu machen oder nicht.

Eine solche Entscheidung zu treffen ist sicher kein Zuckerschlecken. Doch was ist der Entscheid?? Einige werden die Sache sehr logisch angehen, andere warten darauf, bis sich ein Gefühl aus dem Bauch heraus bildet. Ich bin eher der logische Typ. Isabelle eher der letztere. Am Anfang gingen wir die Fakten durch und verschafften uns weitere, zum Beispiel durch die Bestimmung des Virentyps und durch eine Leberbiopsie. Vor allem die Viren-Bestimmung (und das damit verbundene Gespräch mit einem Speziallisten) würd ich aus meiner Sicht wohl allen Betroffenen empfehlen. Anschliessend weiss man, wie lange eine Therapie dauern würde und welche Erfolgschancen man dabei hätte. Weiter sollte man seine derzeitige Situation betrachten und kritisch Fragen, ob es ein günstiger Zeitpunkt ist, zu beginnen. Denn absolviert man zB noch eine (Zweit-) Ausbildung, die in absehbarer Zeit abgeschlossen wird, ist dies ev. Noch ein Grund zuzuwarten. Will man aber bald mal eine Familie gründen, so kann dies ein guter Grund sein möglichst bald anzufangen. Logischweise kann ich niemandem die Entscheidung abnehmen oder vereinfachen – ich hoffe aber einfach, dass die Gedanken, die wir in unseren Köpfen trugen, vielleicht irgendjemandem einen Denkanstoss liefern....

So, nun aber zurück zu Isabelle! Wie gesagt ist 1/3 der Therapie bereits hinter uns. Ihr Zustand hat sich auch etwas geändert. Müde ist sie, schläft (wenn sie kann) recht viel. Woher dies kommt frage ich mich oft, doch wahrscheinlich gibt es darauf keine richtige Antwort. Braucht es eigentlich auch nicht; ich versuche halt einfach sie zu unterstützen. Kleine Ausflüge oder auch mal ins Kino scheinen gut für sie zu sein, denn zulange rumzusitzen verleitet sie zum Grübeln.

A propos Grübeln: Leider haben sich auch ihre Depressionen verstärkt. Und zwar bis zu einem Punkt, wo beide sagen mussten dass es so nicht weiter gehen kann. Wir waren anschliessend beim Arzt, welcher nach relativ langem Beratungsgespräch ein sog. „Stimmungsaufheller“ verschrieb. Dien nimmt sie nun schon etwas mehr als eine Woche – die Wirkung soll an etwa 7 – 14 Tagen einsetzten. Nun war es schon länger nicht mehr so schlimm, ich erhoffe mir aber von diesen Tabletten, dass sie wieder etwas mehr Freude am Leben zurück bekommt; das nicht mehr alles als schwer empfunden wird!

Ansonsten aber gehts eigentlich gut. Das wöchentliche Ritual des Spritzens haben wir auch langsam im Griff, somit nicht mehr die Aufregung der ersten Male. Müsste ich ein Fazit ziehen, so würde ich sagen dass es so weiter gehen kann. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir wünschen dass Isabelle nicht mehr so müde sein müsste. Und wenn ich allen anderen, die von dieser Krankheit betroffen sind und diese Zeilen lesen, etwas sagen könnte, dann würde ich diesen den untenstehenden Songtext sagen....

When the night has been too lonely
and the road has been too long
and you think that love is only
for the lucky and the strong
just remember in the winter
far beneath the bitter snows
lies the seed that with the sun's love
in the spring becomes the rose

 

 

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