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Bernd - Selbstheilung, Februar 2005
Bernd - Selbstheilung, Februar 2005

ImageHallo!

Ich bin auf ihre Webseite aufmerksam geworden, weil ich nach einem Forum für HepC-Kranke gesucht habe. Ich wollte dort über meine Erfahrungen mit meiner Krankheit berichten. Ich habe mittlerweile keine Hepatitis mehr; ich weiß seit etwa einem Jahr von meiner Heilung. Mein Name ist Bernd Mehrtens, ich komme aus Bremen.

Wie es zu meiner Erkrankung kam: Ich war Herionabhängig. Viele sagen jetzt 'selbst schuld'. Kann sein - kann aber auch nicht. Lebt mal ein Stück meines Lebens! Ich machte eine Therapie(1992) und war danach 41/2 Jahre clean. Vor der Therapie werden bei der Entgiftung Hepatitistests gemacht. Man stellte Antikörper gegen HepA fest. Sonst nichts. Ich war, wie gesagt dann 41/2 Jahre clean. Ich hatte dann einen kurzen Rückfall für etwa 3 Monate. In dieser kurzen Zeit muss ich mich angesteckt haben, denn als ich zur neuerlichen Entgiftung war, stellte man noch nichts fest (Inkubationszeit bis zur Bildung von nachweisbaren Antikörpern). Ich machte anschließend wie geplant meine Therapie. Dort wurde ich krank. Das es Hepatitis war, konnte man sehen. Ich hatte gelbe Augenränder. Man stellte, neben einer akuten Hepatitis B auch Antikörper gegen HepC fest. Die Hepatitis B heilte dann aber aus, und zurück blieb die Hepatitis C. Der Arzt meiner Therapieeinrichtung klärte mich darüber auf, dass man noch nicht viel über die (damals noch NonA-NonB) wisse. Ich solle mir im Anschluss an die Therapie einen Hausarzt suchen, der regelmäßig Blutuntersuchungen machen lassen soll.

 

Ich hielt mich an den Rat, und begann schon während der Therapie mit der Suche nach einem geeigneten Arzt. Manche Ärzte wollten mich gar nicht behandeln. Mit Drogenabhängigen hatte man schon so seine Erfahrungen. Und Hepatitis was? C? Da kenne ich mich nicht aus! Ich fand dann aber einen Arzt, und ich ging regelmäßig zu den Blutuntersuchungen. Anfangs öfter(3-4x Jahr) später 1x im Jahr. Man wusste anfangs so gut wie gar nichts über die HepC, und so beobachtete man die Krankheit wohl nur. Ich wurde über die Ansteckungsgefahr informiert, man riet mir von ungeschütztem Verkehr ab. Man informierte mich darüber, dass die Hep-C sehr ansteckend sei und das Virus über Speichel (*), Sperma (*), Blut ja sogar Schweiss (*) übertragen werden konnte. Ich distanzierte mich also gänzlich von sexuellen Kontakten jeglicher Art und fristete mein Dasein von da ab als Single. Stets darauf bedacht niemanden anzustecken achtete ich peinlich genau auf die Verwendung eines eigenen Glases/Tasse usw. Auch, wenn ich die Toilette irgendwo anders benutzte, legte ich etwas 'drunter' und setzte mich brav hin. Das ging bis 2003 so. Ich hatte den Arzt inzwischen wegen eines Umzuges 1998 gewechselt.

Ich äußerte bei meinem neuen Arzt oft meine Angst, dass ich an einer unbemerkten Zirrhose sterben könnte , oder so. Stets beruhigte er mich. Die Werte seien ganz ok. Ich erfuhr dann aus einer Zeitschrift davon, dass Hepatitis C zu behandeln sei. Mit Interferon. Der Arzt riet mir davon ab, meine Werte seien nicht so schlecht, die Therapie sehr anstrengend, und die Nebenwirkungen sind auch erheblich. Doch ich blieb hartnäckig und informierte mich weiter. Ich las in einem Buch davon, dass Drogenabhängige häufig an einem bestimmten, relativ gut zu behandelnden Virustyp erkrankt seien. Der Erfolg der Interferontherapie sei zudem in der ersten Zeit bis ca. 1 Jahr nach der Ansteckung am aussichtsreichsten.

Ich sprach meinen Arzt erneut auf die Behandlungsmöglichkeit an. Ich fühlte mich stabil und ich wollte jede Heilungschance nutzen. Wieder zeigte er nicht das gewünschte Interesse an einer Behandlung , so dass ich einen neuerlichen Arztwechsel erwog. Ich ging zum Gesundheitsamt hier in Bremen und wollte mir einen geeigneten Arzt suchen, einen, der sich mit der Interferonbehandlung auskennt. Es bot sich ein Arzt vom St.Jürgen-KH an, der zudem die erforderliche Biopsie machen würde (um den Grad der Schädigung der Leber feststellen zu können). Ich wurde also dort vorstellig, und man bat mich, zur Biopsie aktuelle Viruslastwerte und auch Angaben über den Virustyp mitzubringen.

Ich bin also wieder zu meinem Hausarzt gegangen um Unterlagen darüber zu bekommen. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich erfuhr, das die Viruslast bei den letzten Untersuchungen nicht einmal gemessen wurde; der Virustyp wurde überhaupt noch nie bestimmt. Solche Untersuchungen seien aufwendig und teuer. Man nahm mir also Blut ab und schickte das ans Labor. Eine Woche später kam das Ergebnis der Laboruntersuchung. Mein Virustyp konnte nicht festgestellt werden, weil die Viruslast gleich NULL sei. Ich habe keine Hepatitis C mehr. Ich bin gesund, welch eine Freude! Welch eine Überraschung!

Nachdem sich die Freude etwas gelegt hatte, und ich Zeit hatte über das Verhalten meines Arztes nachzudenken (er hatte eine genauere Untersuchung nie vorgenommen, und war auf meinen Behandlungswunsch mit Interferon nie eingegangen), war ich sauer! Ich hatte über Jahre hinweg keine partnerschaftliche Beziehung. Ich bin einer Beziehung immer ausgewichen. Wenn sich die Frage stellte, gab stets die Erkrankung den Weg vor. Ich erwog nicht einmal mehr die Bildung einer eigenen Familie mit eigenen Kindern. Diesen Teil meines möglichen Lebensplans hatte ich logischerweise vollkommen ausgeblendet. Und das womöglich nur, weil mein Arzt eine genauere Untersuchung nicht für nötig hielt?!? Vielleicht hatte meine Abwehr die Sache schon vor 10 oder 12 Jahren erledigt?!? Mein Leben und meine Planung und viele andere Entscheidungen meines Lebens hätte ich sicher anders getroffen. Ich war ja noch jung, als ich erkrankte(26). Jetzt bin ich 39, und nun noch eine Familie? Auch meine Motivation war nie die beste gewesen. So eine Erkrankung wirkt sich auf dein ganzes Leben aus!

Ich sprach meinen Arzt auf meinen Ärger an. Der sagte nur: 'freuen Sie sich doch, dass Sie gesund sind!' Der hat überhaupt nicht verstanden, warum ich so verärgert war! Die Konsequenzen einer Erkrankung waren ihm wohl nicht so bewusst wie mir. Zunächst wollte ich den Arzt dann verklagen, weil ich es für nachlässig halte, eine genauere Untersuchung zu unterlassen. Man hätte meine Genesung ja wohl viel früher erkannt. Ich bat also um alle Unterlagen. Da gab es ziemlichen Stress in der Praxis. 'Was ich denn wolle? Er habe mir stets geholfen', etc. Mein Anwalt fand heraus, dass ich den Arzt gar nicht so verklagen kann. Ich müsse erst einen außergerichtlichen Klärungsversuch unter Beteiligung des Arztes und der Anwälte mitmachen. Die 'kassenärztliche Vereinigung' würde das Treffen organisieren. Ich musste im Vorgespräch bei der LVA, meinen Fall vorlegen(Ich fand das suspekt, mit einer Organisation, der mein Arzt ja angehört, über meinen Fall zu reden. Dort klärte man mich auf, dass mein Arzt gar nicht zu einer solchen genaueren Untersuchung verpflichtet sei. Irgendwann habe ein Gremium festgelegt, dass es der Kasse zu teuer käme, solche Untersuchungskosten zu tragen, weil eine Genesung wie bei mir sehr selten ist. Dass das stimmt, habe ich später beim Gesundheitsamt bestätigt bekommen. Ich ließ den Gedanken an eine Klage fallen, weil ein genauer Schaden schwer auszumachen ist, und eine Klage nur sehr geringen Erfolg hätte. Ein Gesetzgeber, der es den Kassenkassen selbst überlässt, zu regeln, wie man Kranke behandelt wird einer solchen Klage niemals stattgeben, denke ich.

Ich fühle mich von den Gesetzgebern verlassen, von meinem Arzt verarscht, und insgesamt um vielleicht 10 Jahre meines Lebens betrogen. Die anderen Auswirkungen dieser vermeintlichen Erkrankung auf mein Leben, kann wohl nur ich selbst bemessen. Ich wünschte mir etwas mehr Verständnis für mich als Individuum. In unserer Gesellschaft ist wohl nur soviel Verständnis zu bekommen, wie davon zu bezahlen möglich ist. Ich rate jedem Erkrankten, kritisch zu sein, und auf Untersuchungen der Viruslast zu bestehen. Die Kassen und die Ärzte freuen sich über jeden, der so naiv ist, denen zu vertrauen.

Bernd Mehrtens, Bremen

* Nachsatz : Nach heutigen Erkenntnissen ist die Hepatitis-C  fast ausschließlich über Blut zu Blutkontakt übertragbar. Sexelle Übertragung ist möglich, aber wird als eher gering angesehen.

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 15. September 2010 um 21:46 Uhr
 
Samstag, 04. Februar 2012