Wie eine Weltmeisterin Hepatitis-C besiegt hat - Juni 2004
Agata
Wie im Sport...man muss durchhalten und wirklich daran glauben, dass man alles schafft, was man sich vornimmt
Wir haben uns mit Agata für ein Treffen in Warschau verabredet. Es war Ende Mai. Es war gar nicht so einfach sie zu erreichen. Sie hat ständig so viel zu tun. Ständig unterwegs ist sie. Tägliche Übungen, Sportveranstaltungen und Wettbewerbe, all das verursacht, dass die Agatas Zeit sehr kostbar und nicht uneingeschenkt ist. Gerade vor kurzem hat sie an EM in Kiev teilgenommen, wo sie Goldmedalie gewonnen hat. Und jetzt ist sie schon voll in den Vorbereitungen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen. In wenigen Wochen können wir sie also auf der olympischen Arena bewundern und im Kampf um das Gold anfeuern.
Agata wartete auf uns im Warschauer Zentrum für Sportmedizin. Es ist ein Nachmittag und der Einfahrt in die Stadt wie immer sehr mühsam. Der Stau ist einfach dramatisch, die Strasse ist in Umbau, wir müssen eine Umleitung nehmen, alles verstopft, nichts bewegt sich, die Zeit rennt, jetzt schon sind wir spät. Doch haben wir Telefonkontakt mit Agata. Sie wartet... Gott sei Dank.. Endlich als wir das Ziel erreichen, treffen wir sie und ihren Arzt. Sie begrüßt uns mit einem netten, doch schüchternem Lächeln... „was kann ich denn euch erzahlen...? Es ist einfach das Leben...“
Doch wir wissen schon einiges über sie. Wir wissen aus welcher Gegend sie kommt, aus welcher Familie, und von welchen Verhältnissen, wir wissen auch dass sie Physik in der Schule hasste, welche Musik sie gerne hört und dass sie Spaghetti mag. Wir wissen selbstverständlich, was für sie Sport bedeutet und wir kennen die Geschichte ihrer bewundernswerten Sportkariere. Was wir noch wissen ist, dass sie Hepatitis C durchgemacht hat und dass der Kampf gegen diese Krankheit auch ihr nicht erspart wurde und dass auch in diesem Kampf zu den Siegern gehört. Doch wir wissen nicht, wie es war und möchten es erfahren. Wir möchten Agata dazu überzeugen, dass sie es uns das Zeugnis gibt, wie man die Hindernisse bewältigt, welche man plötzlich auf dem Weg findet und welche unser Leben plötzlich total auf dem Kopf stellen. Wie soll man mit diesen, dramatischen Problemen kämpfen, um wieder auf den geplanten Lebensweg zurückzukehren und die eigenen Lebensziele verfolgen und sie erreichen?. Vom einem Sieg, zu dem anderen. So, wie sie es tut. Und sie kann es uns erzahlen.... Ein Mädchen aus den Bergen...
Zuerst wenden wir uns an Dr.Jarek Krzywanski, der Agata begleitet.
Ania und Pawel Herr Doktor, Sie sorgen für Agatas Gesundheit und Sie kennen ihre Geschichte. Bitte erzählen Sie uns, wie es ein Mediziner sieht.
Dr.Jarek Krzywanski Es ist Jahr 2000 und wir kommen zurück von den Olympischen Spielen in Sydney mit Silbermedaille in der Tasche. Ein riesiger Erfolg. Die erste Medaille in der Geschichte des Damengewichtshebens in Polen. Allerdings dauert unsere Freude leider nicht sehr lange. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Transaminasen von Agata erhöht sind. Sie bewegen sich zwischen 130-140 GOT und 90 GPT. In Folge dessen injizierten wir die ganze routinemäßige hepatologische Diagnostik, d.h. vor allem alle Tests in Richtung Leberentzündung. Doch alle Befunde, darunter auch Antikörper Test HCV, sind negativ. Auch alle Befunde von verschiedenen autoimmunologischen Erkrankungen bringen keine Erklärung. Doch trotz den negativen Antikörpern entscheiden wir uns für PCR HCV um Anwesenheit RNA HCV bei Agata auszuschließen. Es kam anders. Testergebnisse sind positiv. Nach der Wiederholung bestätigten sie sich. Wir haben schon Gewissheit, es ist eine Infektion mit Hepatitis C Virus, Genotyp 1a. Leberbiopsie, die wir durchgeführten bringt Befunde, welche es auch bestätigen. Es bestätigt sich auch, dass Entzündungsaktivität nur mäßig ist, doch Agata hat eine Fettleber, was uns auch allerdings nicht wundert, wenn man die Agatas „Bauart“ berücksichtigt. Es ist keine einfache Situation. Die Leberwerte sind nicht so hoch, Fettleber, viele Befunde sind widersprüchlich. Es gibt keine eindeutige Indikation für die Therapie. Wir setzen verschiedene Konsultationen fort und es kommt die Entscheidung. Sie ist von Herrn Dr. Dudziak aus Klinik des Heeresspitals getroffen. Agata beginnt die Behandlung mit Interferon und Ribavirin. Nach 3 Monaten Medikation erreichen wir leider keine erwarteten Ziele. Agata antwortet nicht auf die Therapie. Im Gegenteil, nach jeder Injektion gehen die Leberwerte hoch und erreichen sie etwa 400. Wir stehen vor einem Problem, für welches wir keine Lösung finden.
Ania und Pawel Nach der offiziellen Diktion der Schulmedizin sollte man eigentlich die Therapie in so einem Fall abbrechen...
JK Ja, nun was machen wir? In die Sache wird Prof.Cianciara aus der Warschauer Uniklinik eingeschaltet. Und nicht nur empfiehlt er die Therapie fortzusetzen, er verdoppelt die Interferondosis von 3 Mil auf 6 Mil. Die Dosis wird also erhöht, jedoch es kommen die üblichen Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit all das was so typisch für die Interferontherapie ist. Wir setzen die Behandlung noch 3 Monate fort aber die Werte bleiben jedoch immer noch hoch, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass Agata immer noch nicht antwortet. Damals gab es in Polen noch kein PEG-Interferon, doch die Polnische Olympische Stiftung sponsert die Mittel für PEG aus dem Ausland, wo damals es auch dort eine Neuigkeit war. Wir steigen also auf PEG um. Und was geschieht? Agata ist negativ!!! Wir sagen es Agata nicht, denn wir wollen bei ihr keine zu hohe Erwartungen zu früh erwecken. Ein Fehler oder ein breackthrough könnte keinen guten Einfluss auf sie haben. Doch wir kamen zur Überzeugung dass Agata wieder gesund wird, die Tests werden nämlich wiederholt und alle bringen Befund: negativ! Die Leberwerte bleiben zwar noch ein wenig erhöht, aber dies führen wir zum großen Teil auf die Fettleber zurück. Dies behandeln wir auch entsprechend und auch die Werte endlich runterfallen.
Im September 2001 stehen wir wieder vor einem Dilemma. Wie geht es weiter? Die Therapie ist schon zu Ende. Wir finden in der Fachliteratur auf der Welt keinen beschriebenen Fall einen Spitzensportler, der nach einer Hepatitis C und IFN Behandlung zum Spitzensport zurückkehrt. Wir sind nicht sicher, ob Agata wieder so intensiv arbeiten darf. Und wieder könnten wir uns die Meinung der Autorität von Prof.Cianciara holen. Als einziger hatte er den Mut „Ja“ zu sagen. So kommt Agata zurück...
Ania und Pawel Wie lange war sie also behandelt? Sieben... acht Monate?
JK Mehr als 8 Monate. Also Dank der Beurteilung des Professors kam Agata zum aktiven Sport zurück. Sie beginnt wieder zu trainieren. Nach 2 Monaten intensiver Arbeit holt sie in Kalmar in Sweden Gold. Sie ist also Europameisterin Junioren in Supergewichtsklasse.
Doch man muss sich dessen bewusst sein, dass Agata nicht die gleiche Person ist, wie vorher. Sie kann natürlich nicht mehr auf 100% leben, muss sich doch etwas einschränken, Diät einhalten, manches meiden. Immer wieder die Leberwerte untersuchen lassen, Medikamente gegen Fettleber nehmen.
Sie machte einen heroischen Kampf durch. Doch hatte sie immer ergebene Menschen um sich herum, für welche ohne Bedeutung war, ob sie eine Weltmeisterin oder die olympische zweite ist. Es zählte Agata, ein einfaches Mädchen aus den Bergen und es zählte nur, dass sie wieder gesund sein muss. Doch sie hat Glück im Leben, sie glaubt daran nicht immer aber sie hat es. Vielleicht könnt Ihr ihr erklären, dass so einen Gegner zu besiegen schon auch eine Glücksache ist...
Ania und Pawel Noch dazu mit einem solchen Genotyp! Wirklich ein Spitzenerfolg! Weltmeisterschaft, könnte man sagen... (alle lachen)
JK Tja... sie machte mit Sicherheit sehr schwere Zeiten durch, als sie im Spital war und sich immer wieder Biopsie oder anderen unzähligen Untersuchungen unterziehen musste. Von Anfang an war diese Krankheit komisch. Zum Beispiel stellte sich heraus, dass sie eine von wenigen ist, die bei einer Infektion mit Hepatitis C Virus, keine Antikörper entwickelt. Wir haben bei ihr immer viele Fragezeichen gehabt, die Diagnostik war schwierig, dann die mühsame Therapie... Es legten sich viele Sachen aufeinander. Wenn man eine klare Krankheit X hat, und es ist eindeutig, behandelt man es einfach, sobald oder solange der Medizin das Wissen reicht. Bei ihr war die Sache aber viel mehr komplex und somit kompliziert.
Nun sie ist ein Kämpfertyp und sie hat gesiegt und ich glaube, das es auch ihre Meinung ist.
Ania und Pawel Wird sie in diesem Zusammenhang immer noch untersucht?
JK Die Transaminasen. Jedes Monat.
Ania und Pawel Und? Sind sie in Ordnung?
JK Letztens GOT 90, GPT 45. wenn man betrachtet wie schwer sie trainiert... unlängst in April gewann sie EM in Kiev und holte sie Gold.
Ania und Pawel Ja eben...! wir sind so schnell zur Sache gekommen, dass wir noch gar nicht gratulierten!! Ne tolle Sache Agata!
JK Und jetzt packt sie schon die Koffer für Athen.
Ania und Pawel Herr Doktor, ein herzliches Danke schön für diese ausführliche Schilderung und vielen Dank für die Betreuung Agatas.
JK Ja, bitte schön, doch jetzt soll unsere Meisterin sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass ihre Worte eine stärkere Aussagekraft haben für die Menschen, die es lesen werden. Es ist ein Zeugnis aus erster Hand über einen heroischen Kampf und einen tollen Sieg. Agatas Kampf und Sieg. Dies ist ganz besonders wertvoll und nicht die Sicht eines Mediziners.
Ania und Pawel Agata, sag uns bitte, wie es war, als Deine Geschichte begann, als Du Deine Diagnose bekamst, was Du empfandst? Wie war überhaupt Dein Wissen über die Krankheit. War HCV für Dich überhaupt ein Begriff?
Agata Ganz und gar nicht! Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was für eine Krankheit es ist. Ich wusste lediglich, dass ich Leberentzündung habe und es war so gut wie mein ganzes Wissen über meine Lage. Doch ich hatte den Eindruck, dass die Welt, alles stürzt plötzlich auf meinem Kopf. Das ganze war unmittelbar nach den Olympischen Spielen in Sydney... statt sich über die Erfolge freuen, musste ich ins Krankenhaus...
Ania und Pawel In Sydney warst Du die zweite, stimmts? Du hast Silber gewonnen...?
Agata Ja, es stimmt, aber ich konnte mich nicht wirklich über diesen Erfolg freuen. Gleich nach dem ich zurückkam, begannen die Untersuchungen. Es war November und in Dezember vor Weihnachten lag ich schon im Spital. Dort machte man mir Leberbiopsie, zugleich stellte man Hepatitis C fest. War echt harte Zeit für mich.
Ania und Pawel Wie war Deine Therapie? Tja... ich wurde mit Interferon und Ribavirin behandelt. Ich vertrug Ribavirin gar nicht und auch die IFN-Spritzen für mich wahnsinnig mühsam waren.
Ania und Pawel Hast Du Dich selbst gespritzt?
Agata Ja, Klar. Ich spritzte mich selbst. Eine Krankenschwester im Spital brachte mir es bei. Es gab damals noch keinen Pen, so stach ich mich mit normalen Nadeln. Am Anfang dachte ich mir, es sei nicht so schwer, es stellte sich heraus, dass es gar nicht so ist. Ich stach mich in die Oberschenkel, bald kamen Blutergüsse, Rötungen und ähnliches... Entweder stach ich mich zu tief hinein, oder zu oberflächlich....
Ania und Pawel Wie fühltest Du Dich allgemein? Wirkte die Therapie auf Dich mit den üblichen Nebenwirkungen, als Du Dich gespritzt oder die Kapseln geschluckt hast?
Agata Ja, das schlimmste war Ribavirin. Mein Körper vertrug es ganz und gar nicht. Als ich begann es zu schlucken, musste ich mich gleich ergeben. Allgemein fühlte ich mich ziemlich scheußlich und alles war so irresinnig mühsam.
Ania und Pawel Was war mit Deinem Training? Konntest Du trainieren?
Agata Nein, natürlich nicht. Ich trainierte gar nicht. Vielleicht manchmal machte ich ne Kleinigkeit, aber in Vergleich damit was man so üblich macht, machte ich so gut, wie gar nichts.
Ania und Pawel Sag Agata, was war Deine Motivation, um es durchzumachen. Doch so eine Therapie ist ja echt eine harte Sache. Was hat Dich dazu bewegt sich behandeln zu lassen. War es einfach so, dass die Ärzte gesagt haben, Du sollst Dich behandeln lassen und Du ließt Dich nur deshalb behandeln? Oder hast Du Dir selber vielleicht ein Ziel gestellt?
Agata Tja.. zuerst ließ ich mich einfach behandeln. Als die Ärzte mir erklärt haben, was für eine Krankheit es ist und wie schwer sie zu behandeln sei, habe ich meine ganze Motivation verloren. Ich kam nur einfach zum Sportzentrum, lag auf den Matratzen und sah wie die Mädchen üben. Für mich war das ganze eine echte Katastrophe, eine Tragödie.
Ania und Pawel Eine Tragödie, dass Du selbst nicht trainieren kannst?
Agata Ja, dass ich es nicht kann.... mein Gott... ich fang gleich an zu heulen... Es war eine Tragödie, dass mit dem Sport vorbei ist. Doch ich glaubte, dass ich es schaffe.
Ania und Pawel Ja eben.. Du sprichst ein sehr wichtiges Thema an und danach wollten wir Dich gerade fragen. Glaubtest Du, dass Du es schaffst? Wie war Deine Glaube?
Agata Doch, ich glaubte es stark. Ich glaubte, dass ich wieder gesund sein kann, aber dann immer wieder fiel ich in ein Loch und dachte, es sei nicht möglich, es ist alles vorbei. Obwohl meine Trainer mit mir waren, meine Familie, Freunde und Mädchen aus dem Verein. Alle unterstützten mich. Aber sie alle wussten auch bescheid, dass es nicht einfach sein wird. Die Laune schwankte bei mir sehr stark, einmal glaubte ich und dann wieder nicht, dass ich es schaffen kann. Die Diagnose und die Therapie war für mich ein harter Schlag. Ich bin eine Sportlerin und der Sport erfühlt mein ganzes Leben. Und plötzlich haben sie Dir gesagt: „aus, Ende, vorbei“. Ich hatte zwar viele Menschen um mich herum, die mir halfen, aber ich weiß es auch, dass es auch solche gab, die mir keine Chance mehr gaben und das deprimierte mich zusätzlich. Jedoch mit der Zeit bekam ich immer bessere Befunde. Eines Tages war ich negativ... ich therapierte weiter. Tja.. noch dazu, es war mein letztes Jahr, in dem ich in Juniorenwettbewerb teilnehmen konnte. Es war 2001. Ich wollte irresinnig an allen Junioren Wettbewerben unbedingt teilnehmen.... und in allen selbstverständlich siegen! (lacht) Und blöderweise konnte ich nicht einmal antreten. Nun am Ende des Jahres ergab sich die Möglichkeit, dass ich an Weltmeisterschaften in Antalya in der Türkei teilnehme. Nur die Ärzte hatten Angst, obwohl meine Befunde gut waren. Dann kamen wir wieder zu Herr Prof.Cianciara, der Gott sei Dank gesagt hat, dass er nichts dagegen hätte, dass ich das Training wieder aufnehme und zu WM antrete. Ich bekam also Erlaubnis für die Türkei und es war eine Erlaubnis zum Leben!
Ania und Pawel Sag uns noch mal... was Du dort gewonnen hast?
Agata Hmm... was habe ich in Antalya gewonnen...?
Ania und Pawel Das war WM, nicht wahr?
Agata Ja, in Antalya war ich zweimal. Einmal habe ich gewonnen, und einmal verloren. Diesmal war es Silber.
Ania und Pawel Du wurdest damals Vize Weltmeisterin Senioren, stimmt´s?
Agata Ja, stimmt. Ich war so glücklich, dass ich überhaupt zum aktiven Sport zurückkam, dass ich wieder Gesund war. Es stimmt doch, dass ich bis zum Ende meines Lebens nicht als ganz normaler Mensch leben kann... hmm.. das heißt ich lebe doch ganz normal, aber ich muss schon immer aufpassen, Untersuchungen machen, Medikamente einnehmen.
Ania und Pawel Wieder gesund zu werden ist eine echt tolle und wichtige Sache. Sag uns, wie war dieses Erlebnis für Dich? Es sind ja zwei tiefe Einschnitte im Leben, zwei Zäsuren: zuerst bekommt man die Diagnose, die man schwer akzeptieren kann, man erfährt, dass man schwer krank ist. Dann aber kämpft man, man kämpft und kämpft... bis man endlich das Ziel erreicht. Ist es nicht genau so, wie im Sport? Du stellst Dir ein Ziel vor den Augen, dann erkämpfst Du es und kletterst Du auf das Stockerl...
Agata Ja, im Sport ist es ähnlich. Es war ein langes Ringen. Sieht Ihr, ein halbes Jahr für mich ist ja sehr lange. Um so schlimmer war es, dass es viele Leute gab (und ich gehörte manchmal dazu), die keine Chancen mehr dafür gesehen haben, dass ich je wieder zum Sport zurückkehren kann. Aber später kam alles schon schneller, es kamen bessere Befunde, kam die Entscheidung dass ich wieder trainieren und starten darf. Wenn ich aber schon starten dürfte, bedeutete es für mich, dass ich gesund bin. Es ist irresinnig schön so zurückzukehren, es ist schön zu siegen...
Ania und Pawel Und sag... trinkst Du manchmal ein Gläschen Wein?
Agata Tja.. ja manchmal kommt es schon vor. Klar, man darf nicht trinken, man darf keine scharfen Sachen essen....
Ania und Pawel Ja eben, wie ernährst Du Dich?
Agata Wie ich kann (lacht). Nun ja, auf viele Dinge muss ich leider verzichten.
Ania und Pawel Sag uns noch, welche Erfolge kamen nach der Interferonbehandlung. Was ist es Dir trotz der Krankheit gelungen danach zu erreichen?
Agata Das allerwichtigste ist es, dass ich die Krankheit besiegt habe! Es war echt der größte Sieg. Und dann: Kalmar - Europameisterschaften Junioren - habe ich gewonnen, es war noch im Jahre 2001 gleich nach der Therapie. Dann Weltmeisterschaften Senioren, habe ich Silber geholt... hmm und dann kam Jahr 2002... und was war im 2002? Aha es war wieder Antalya und Europameisterschaften. Damals habe ich gesiegt und Goldmedalie nach Hause gebracht. Und doch es waren Weltmeisterschaften in Warschau. Hier wurde ich Weltmeisterin (Lächeln)... Dann im Jahre 2003 Europameisterschaften – Gold und dann leider eine schwere Niederlage in Vancouver. Für mich war Vancouver eine große sportliche Niederlage. Ich wurde siebente.
Ania und Pawel Die siebentbeste auf der Welt? Echt schreckliche Niederlage (Lachen)
Agata Doch! Eine schreckliche! (Lachen)
Ania und Pawel Und dann?
Agata Und dann, dieses Jahr war Kiev. Wieder Europa Meisterschaften. Ich hab wieder Gold gewonnen. Und jetzt sind die Olympische Spiele immer näher..
Ania und Pawel Was hast Du in Athen vor? Gold natürlich..?
Agata Jeder möchte Gold, oder? Aber jetzt wird es viel schwieriger. Ich habe viel mehr stärkere Rivalinnen als in Sydney. In Sydney kämpfte ich praktisch nur mit einer Chinesin. Die Amerikanerin hat lediglich um den dritten Platz kämpfen können, sie wusste schon, dass sie weder Gold, noch Silber erreichen kann. Und jetzt sind viele starke Mädchen mit dabei. Die Chinesin, Russin, Ungarin, Griechin und Amerikanerin, dabei glaube ich, dass ganz besonders die Amerikanerin, Russin und die Chinesin besonders stark sein werden.
Ania und Pawel Agata, um Dich nicht aufzuhalten, die zwei letzten Fragen. Sag mal, was war Dein größter Erfolg im Leben?
Agata Das ist ja selbstverständlich. Dass ich die Krankheit besiegt habe, betrachte ich als mein größter Lebenserfolg.
Ania und Pawel Wurdest Du dafür eines von Deinen Medaillen abgeben, wenn es davon abhängen würde?
Agata Ich würde sie alle abgeben. Ganz sicher!
Ania und Pawel Was möchtest Du allen diesen Menschen sagen, die eben erfahren, dass sie krank sind und gerade jetzt um die Gesundheit kämpfen. Hast Du für sie einen Tipp?
Agata Ich weiß, es ist leicht gesagt, sei stark und tapfer, lass Dich von der Krankheit nicht runterkriegen. Aber das ist doch der beste Tipp, ganz einfach. Ich hab das ganze durchgemacht und weiß ich ganz genau, wie es ist. Jetzt bin ich siegesbewusst, ich weiß, dass man beinahe jedes Hindernis bewältigen kann. Der Glaube ist dabei das wichtigste. Man muss positiv denken, sonst wäre es überhaupt unmöglich weiter zu kämpfen und die Ziele erreichen. Wenn man aufgibt, verliert man schnell.
Ania und Pawel Jede Krankheit beginnt angeblich und endet im Kopf...
Agata Stimmt, die Psyche ist in dem Fall das wichtigste. Wie im Sport. Das ist doch das Ringen. Man muss durchhalten und wirklich daran glauben, dass man alles schafft, was man sich vornimmt. Die Unterstützung von der Familie, Freunde ist auch von großer Bedeutung.
Ania und Pawel Agata, vielen herzlichen dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir sind ganz sicher, dass die Inhalte dieser Geschichte eine wichtige Botschaft für viele, viele Menschen sein kann. Und ein Vorbild für die unermüdliche Kampfkraft. Nicht nur die Kraft des Körpers, sondern auch, oder vielleicht vor allem die Kraft des Geistes. Für diese Botschaft danken wir Dir und wünschen viel Gesundheit für die Zukunft und viel Erfolg auf den Olympischen Spielen in Athen.
Agata Bin abergläubisch, so bedanke ich mich nicht (lacht)..........
Vielen herzlichen Dank an Agata, Pawel und Ania für die Überlassung dieses wunderbaren Interviews.
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